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200 Jahre "Des Knaben Wunderhorn"

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Des Knaben Wunderhorn
Alte deutsche Lieder
Gesammelt von Achim von Arnim und Clemens Brentano

Textsammlung Des Knaben Wunderhorn (Projekt Gutenberg)

"Von Rechts wegen sollte dieses Büchlein in jedem Hause, wo frische Menschen wohnen, am Fenster, unterm Spiegel, oder wo sonst Gesang- und Kochbücher zu liegen pflegen, zu finden sein", schrieb Goethe über die von Achim von Arnim und Clemens Brentano herausgegeben erste umfassende Sammlung deutscher lyrischer Volkslieddichtung "Des Knaben Wunderhorn".

Bereits während ihrer Rheinreise im Jahre 1802 begannen die beiden Romantiker mit ihrer Suche nach "Alten deutschen Liedern". Erst nach vierjähriger intensiver Arbeit, bei der sie von vielen prominenten Freunden, wie etwa den Brüdern Grimm, unterstützt wurden, konnten sie 1806 den ersten Band zur Veröffentlichung vorlegen.

Aufgenommen wurden deutsche Gedichte, anonyme und namentlich bekannte, die in der Bevölkerung verbreitet waren, die gesungen und gesprochen wurden und in einzigartiger Weise den fortwirkenden Geist der Poesie und der Phantasie durch die Jahrhunderte dokumentieren. Die anfänglichen Pläne, den Komponisten und Kapellmeister Johann Friedrich Reichardt in den Gestaltungsprozess mit einzubeziehen und sich so neben den Texten auch deren zugehörigen Melodien zu widmen, wurden später von Brentano und Arnim fallen gelassen: So ist das "Wunderhorn" in seiner letztendlichen Gestalt mehr eine Lyrik- als eine Liedersammlung, deren bekannteste Melodien dennoch durch das Volksbewusstsein geistern.

Bis heute sind viele der Lieder aus dem "Wunderhorn" geläufig, so "Bettelmanns Hochzeit", "Guten Abend, gute Nacht", "Da oben auf dem Berge", "Bald gras’ ich am Neckar", "Die Gedanken sind frei" und viele andere der mehr als 700 Texte umfassenden Sammlung.

Achim von Arnims und Clemens Brentanos Sammelwerk "Des Knaben Wunderhorn" ist eine Liedersammlung ohne Noten: Doch auch ohne Melodien hat gerade das "Wunderhorn" mit seinen urromantischen Inhalten Impulse zur musikalischen Auseinandersetzung gegeben: Als Sammelsurium romantischer Ideen, Wünsche und Sehnsüchte, Märchen, Legenden und Mythen war es ein Steinbruch, dessen sich immer wieder Komponisten bedienten.

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Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten,
sie fliegen vorbei, wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen, kein Jäger erschießen.
Es bleibet dabei: Die Gedanken sind frei!

Ich denk' was ich will und was mich beglückt,
doch alles in der Still', und wie es sich schicket.
Mein Wunsch, mein Begehren kann niemand verwehren, es bleibet dabei:
Die Gedanken sind frei!

Ich liebe den Wein, mein Mädchen vor allen,
sie tut mir allein am besten gefallen.
Ich bin nicht alleine bei meinem Glas Weine, mein Mädchen dabei:
Die Gedanken sind frei!

Und sperrt man mich ein in finstere Kerker,
das alles, das sind vergebliche Werke.
Denn meine Gedanken zerreißen die Schranken
und Mauern entzwei, die Gedanken sind frei!

Drum will ich auf immer den Sorgen entsagen
und will mich auch nimmer mit Grillen mehr plagen.
Man kann ja im Herzen stetz lachen und scherzen
und denken dabei:
Die Gedanken sind frei!


200 Jahre "Des Knaben Wunderhorn"
Konzerte • Meisterkurse • Vorträge • Symposien • Publikationen
beim Heidelberger Frühling 2006

Nov 21, 05 | 9:02 pm  |  Email This Article  |  Permalink  |  Filed under: Introduction
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